Studieren auf der anderen Seite der Welt – Classroom Management in den USA

Von August 2025 bis Dezember 2025 verbringe ich mein Auslandssemester an der Georgia Southern University in Statesboro (Georgia), in den USA. In Deutschland studiere ich Gymnasiallehramt mit den Fächern Deutsch und Englisch und habe nun die Gelegenheit, meinen persönlichen Horizont zu erweitern und das universitäre System der Vereinigten Staaten besser kennenzulernen.  Im Rahmen meines Auslandsstudiums belege ich hier vier unterschiedliche Module, darunter auch eines, das der Didaktik zugeordnet werden kann: Classroom Management.

Classroom Management ist ein praxisorientierter Kurs, der gewöhnlich von Student*innen des dritten Jahres (Junior-Year) besucht wird. Der Kurs erfolgt begleitend zu den schulischen Praktika, den sogenannten Placements, in denen die Student*innen einmal die Woche an einer Schule unterrichten. Diese Praktika sind vergleichbar mit den SPÜs, die wir an der Martin-Luther-Universität absolvieren. Ich selbst bin leider keiner Schule zugeteilt worden, da ich als Exchange Student nicht im Institute of Education gelistet bin und somit keinen Zugang zu den Placements erhalte. Ich darf den Kurs dennoch als reguläre Teilnehmerin besuchen und an sämtlichen kursinternen Projekten mitarbeiten. Wir treffen uns wöchentlich donnerstags von 16-18:30 Uhr. Das ist für Kurse in den USA eher ungewöhnlich, da diese meistens zweimal die Woche für jeweils eine Stunde und fünfzehn Minuten stattfinden. Die verhältnismäßig lange Kurszeit ermöglicht es uns, auch ausgiebig an größeren Projekten zu arbeiten. Im Kurs selbst beschäftigen wir uns vor allem mit den Klassenstufen eins bis fünf, was für mich als zukünftige Gymnasiallehrerin ein interessanter Perspektivenwechsel ist. Der Fokus liegt dabei häufig auf Behavior Management und dessen Implikationen im Unterricht. Wir analysieren diesbezüglich mehrfach das Verhalten von Schüler*innen im Klassenkontext unter unterschiedlichsten Bedingungen. Dafür lernen wir verschiedenste Messinstrumente und Variablen kennen, die uns zukünftig helfen sollen, das Verhalten von Lernenden, die Schwierigkeiten im Schulkontext haben, empirisch zu beobachten und darauffolgend zielgerichtete Interventionspläne zu erstellen. Besonders schätze ich hierbei den starken Praxisbezug. Gearbeitet wird mit echten Daten, die die Studierenden wöchentlich in ihren Praktikumsschulen erheben. Die daraus generierten Behavior Support Plans werden nach der gemeinsamen Erstellung und Besprechung sofort im Schulkontext getestet, reflektiert, und, wenn notwendig, überarbeitet, bis die optimale Wirksamkeit für die jeweiligen Schüler*innen erreicht wird.

Eine weitere Kernkompetenz, die uns wöchentlich nähergebracht wird, ist die richtige Vermittlung von Social Cues und die Lehre von Social Skills. Trainiert wird hierbei, wie wir unseren Schüler*innen beibringen, soziale Situationen souverän zu meistern. Dies erfolgt beispielsweise durch angeleitete Rollenspiele im Klassenzimmer, in denen die Kinder üben, sich anderen Personen angemessen vorzustellen oder in Streitsituationen durch die richtige Köpersprache und das korrekte Vokabular deeskalierend zu agieren. Diese Themen habe ich in Deutschland bisher nur vereinzelt behandelt und mich nie in Tiefe damit auseinandergesetzt. Unterrichtseinheiten hierzu werden nach der Erstellung im Kurs ausprobiert, bevor eine Implementation in den Schulkontext erfolgt. Diese Methode macht es uns einfach, Fehler oder Schwierigkeiten in den Unterrichtskonzepten zu entdecken. Zudem macht es die Kursgröße von lediglich zehn Student*innen leicht, immer verlässliches und differenziertes Feedback zu erhalten.

Generell hat sich der Kurs Classroom Management schnell zu meinem Lieblingskurs in meinem Auslandssemester entwickelt. Zwar muss ich bei der Datenerhebung manchmal kreativ werden, da mir die praktische Umsetzung in der Klasse fehlt, jedoch kann ich durch die vielen Projekte innerhalb und außerhalb der Kurszeit einige neue Fähigkeiten erlernen. Besonders spannend dabei ist für mich der Fokus auf Schüler*innen im Grundschulalter, da ich mit diesen in meinem Studium bisher wenige Berührungspunkte hatte. Zusammenfassend kann ich ein Auslandssemester wärmstens weiterempfehlen, besonders wenn die Möglichkeit eines Einblicks in die Didaktik anderer Länder besteht. Ich bin der festen Überzeugung, dass einige Methoden der amerikanischen Lehrer*innenausbildung eine wertvolle zusätzliche Perspektive für das Lehramtsstudium in Deutschland bilden und ich viele neue Impulse für mein zukünftiges Klassenzimmer mitnehmen werde.