Rückblick auf den Initial-Workshop „Die Seele und die Syntax“

Die Forschungsgruppe „Deutsch + X = Didaktik für die Wissensgesellschaft“, die nach den Potentialen von Interdisziplinarität für ein modernes Lehramtsstudium fragt (Näheres hier), hat mit einem von Michael Woll und Matthias Ballod organisierten Workshop am 25. Juni 2026 ihre Arbeit aufgenommen. Unter dem Titel „Die Seele und die Syntax“ kamen Lehrende und Studierende zusammen, um über die Rolle der Sprache als verbindendes Element zwischen den Fachwissenschaften nachzudenken. In offener Atmosphäre wurden gemeinsam Ideen und Perspektiven für die weitere Arbeit der Forschungsgruppe entwickelt.

Im Zentrum der Veranstaltung stand das Fächer-Kaleidoskop, bei dem Studierende ihre Erfahrungen mit Interdisziplinarität im Studium reflektieren und Ideen zum Umgang damit in der Unterrichtspraxis vorstellen konnten. Je nach Zweit- und Drittfach kamen dabei die unterschiedlichsten Fachperspektiven miteinander ins Gespräch: Jonas Brösel zeigte, wie sich sprachliche und bildnerische Strukturen über ihre Form aufeinander beziehen lassen. Theo Feist stellte das Publikationsprojekt A. – Grab des unbekannten Häftlings. Eine Recherche zum Konzentrationslager Langenstein-Zwieberge (hg. von Stephan Pabst und Gero Fedtke) vor, das Deutsch mit den Fächern Ethik und Geschichte verbindet. Konrad Grabowski eröffnete geographisch-räumliche Perspektiven auf Sprache, während Lukas Hildebrand ungewohnte Verbindungen zwischen Deutsch und Chemie aufzeigte. Elisabeth Velea wiederum verknüpfte Literatur und Sprache mit den Geowissenschaften am Beispiel von Goethes Über den Granit.

Aus studentischer Sicht zeigte sich, dass interdisziplinäre Projekte oft ganz automatisch bereits bei der Suche nach geeigneten Fragestellungen, Begriffen und Zugängen für den Unterricht, aber auch für das eigene Verstehen entstehen. Fachliche Perspektiven lassen sich dabei nicht einfach addieren, sondern verändern und ergänzen sich gegenseitig. Ein literarischer Text kann geographische Fragen aufwerfen, bildnerische Formen können sprachwissenschaftlich interessant werden und auch naturwissenschaftliche Inhalte sind auf präzise sprachliche Vermittlung angewiesen. Gerade diese Offenheit machte das Fächer-Kaleidoskop zu einem wichtigen Bestandteil des Workshops. Es bot den Studierenden die Möglichkeit, eigene Interessen sichtbar zu machen, fachliche Grenzen zu hinterfragen und erste Ideen weiterzuentwickeln. Zugleich wurde erkennbar, dass interdisziplinäres Arbeiten mit besonderen Herausforderungen verbunden ist. Die verschiedenen Fächer bringen jeweils eigene Begriffe, Methoden und Vorstellungen davon mit, was als Wissen gilt. Gerade in didaktischer Sicht folgt daraus die Notwendigkeit, immer wieder die eigenen fachlichen Voraussetzungen zu reflektieren und die eigene Perspektive für andere verständlich zu machen; Sprache ist so die  Voraussetzung dafür, dass Verständigung zwischen den Fächern überhaupt gelingen kann.

Impulse für die gemeinsame Arbeit beim Workshop gaben Vorträge, die sich dem Thema aus ganz unterschiedlicher Perspektive näherten. Dabei ging es um das Verhältnis von Deutsch- und Mathematikdidaktik (Michael Woll) ebenso wie um die Frage, wie unterschiedliche Vorstellungen von Wissen Lehr- und Lernprozesse prägen (Inka Hähnlein). Ein konkretes Beispiel aus der Literaturgeschichte handelte von der Verbindung von Literatur, Natur und mathematischem Denken bei Arno Holz (Gunhild Berg). Der praktische Nutzen interdisziplinärer Ansätze im Bereich Digital Humanities wurde über die Frage reflektiert, wie digitale Tools die Beurteilung der Wortschatzqualität in Schülertexten unterstützen können (Anja Seiffert, Bernhard Franke).

Der Workshop endete mit einem offenen Ideen-Café, bei dem Fragen, die sich im Lauf des Tages herausgebildet hatten, gebündelt, weitergedacht und als Ansätze für die weitere gemeinsame Arbeit formuliert wurden. Denn darin besteht das Ziel der Forschungsgruppe: Interdisziplinäre Perspektiven aus Sicht der Deutschdidaktik nicht nur als isolierte Forschungsprojekte zu betrachten, sondern einen Rahmen zu entwickeln, den Lehrende und Studierende im Austausch gemeinsam entwickeln.